Fall 1999-009N

Revisionistische Äusserungen während eines Gerichtsverfahrens

Zürich

Verfahrensgeschichte
1999 1999-009N 1. Instanz verurteilt den Angeklagten.
1999 1999-053N 2. Instanz bestätigt Urteil der ersten Instanz, Verurteilung. (Urteil fehlt)
2003 2003-003N Das schweizerische Bundesgericht (Kassationshof) weist die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde, soweit es darauf eintritt, ab.
Juristische Suchbegriffe
Behörde/Instanz 1. kantonale Instanz;
2. kantonale Instanz;
Bundesgericht
Tathandlung / Objektiver Tatbestand Leugnung von Völkermord (Abs. 4 Hälfte 2)
Schutzobjekt Religion;
Schutzobjekt allgemein
Spezialfragen zum Tatbestand Öffentlichkeit;
Subjektiver Tatbestand
Stichwörter
Tätergruppen Privatpersonen
Opfergruppen Juden
Tatmittel Wort;
Schrift
Gesellschaftliches Umfeld Öffentliche Orte
Ideologie Antisemitismus;
Revisionismus

Kurzfassung

Der Beschwerdeführer ist aufgrund von zwei unterschiedlichen Sachverhalten der Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB angeklagt worden.

Die einen Anklagen bezogen sich auf revisionistische Äusserungen während einem Berufungsverfahren, in welchen der Beschwerdeführer die Massenvernichtung der Juden durch Gas als technische Unmöglichkeit und Geschichtsfälschung dargestellt hatte. Die weiteren Anklagen bezogen sich auf ein Flugblatt, das der Beschwerdeführer an der Universität Zürich beim Haupteingang aufgelegt hatte. Er stellte in diesem Text die Juden als ökonomische Gewinner des Holocaust dar, fragte sich weshalb vom «so genannten Holocaust» alle Spuren verschwunden seien und er sprach von einem «zionistischen Saustall».

Der Beschwerdeführer wurde vom zuständigen Bezirksgericht der mehrfachen Rassendiskriminierung schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten verurteilt, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von vier Jahren. Das Obergericht bestätigte den Schuldspruch der mehrfachen Rassendiskriminierung. Gegen dieses Urteil erhob der Beschwerdeführer eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde. Die Beschwerde wurde abgewiesen.

Sachverhalt

Basierend auf zwei verschiedenen Sachverhalten wurde dem Beschwerdeführer durch mehrere Strafanzeigen Rassendiskriminierung gemäss Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB vorgeworfen.

Die einen Anklagen bezogen sich auf Äusserungen des Beschwerdeführers in einem früheren Strafverfahren, in welchem er als Privatkläger gegen einen Journalisten wegen Ehrverletzung aufgetreten war. Er stellte in der öffentlichen Verhandlung die Massenvergasungen in Auschwitz als technische Unmöglichkeit und Geschichtsfälschung dar. Er machte unter anderen folgende Aussagen:

«Und nun zu den Vernichtungslagern: sie haben tatsächlich existiert, aber als - zugegebenermassen unmenschliche - Arbeitslager! Alliierte Luftaufnahmen beweisen die Offenheit von Auschwitz: man benötigte Arbeitskräfte in den nahe liegenden Buna- Werken, die synthetischen Gummi fabrizierten. Nichts von Geheimhaltung, überdies keine Rauchschwaden geschweige denn - technisch sowieso unmögliche - Feuerflammen aus Hochkaminen oder mit Wasser gefüllten Verbrennungsgräben ohne nötige Sauerstoffzufuhr, keine 35 m (= 12-stöckiger Wolkenkratzer!) hohen Schuhberge, keine Vergasungsrampen etc etc.»

«Die Massenvergasung mit Dieselauspuffgasen kann wegen der Zusammensetzung der Abgase nicht stattgefunden haben.»

«Geschichtsfälschung bezüglich des so genannten Holocaust: einer technisch absolut unmöglichen behaupteten Massenvergasung mittels Zyklon- B.»

Die weiteren Anklagen bezogen sich auf Flugblätter die der Beschwerdeführer an einer Zürcher Universität verteilt hatte. Die Überschrift dieser ca. hundert beim Haupteingang aufgelegten Blätter war: «Antizionistisches Manifest zum Schutz der Schweiz vor Verleumdern und Erpressern sowie zur Verteidigung des Christentums!». Der Text war voll von revisionistische und antisemitische Äusserungen, so folgenden:
«§ 4 Ausgerechnet Amerikas Juden - die grössten Kriegsgewinnler aller Zeiten - fordern jetzt sofortige Entschädigung der Holocaust-Opfer… die anscheinend trotz (technisch unmöglicher!) Zyklon- B- Vergasung naturgesetzwidrig noch leben; sie haben wohl im regen Handel mit Nazideutschland über die BIZ (…) in Basel während des Krieges noch nicht genug verdient!»

«§ 7 Ja - selbst der so penetrant behauptete Holocaust kann gemäss Gutachten namhafter Naturwissenschafter und Techniker so wie dargestellt nicht stattgefunden haben…»

«§ 10 Einzig vom so genannten Holocaust sind die Spuren verschwunden oder dürfen forensisch nicht überprüft werden - genau wie die noch immer geheim gehaltenen Akten in England! Wer muss da nach 50 Jahren noch etwas vertuschen? Es stellt sich daher die Frage, was den die Auschwitz-Lüge wirklich sei: ein Gräuelmärchen der Alliierten oder ein Falschbericht…»

«§ 19 …es ist an der Zeit, den zionistischen Saustall auszuleuchten und dieses jüdische Nazipack vor die Tür zu stellen wie seinerzeit die Fröntler! Wir dürfen uns die Schweiz nicht vermiesen lassen von jenen Heuchlern und Halunken, die selbst genug Dreck am Stecken haben und selber im Glashaus sitzen, aus dem sie ihre Steine werfen! Ihre Lügen sind zu entlarven, ihre Erpressungen blosszustellen, ihre weltweite Intrige aufzudecken als übelste Geschäftsmacherei: it`s no business like shoa- business (Es ist kein Geschäft mit dem Holocaust- Geschäft vergleichbar)!»

Die erste Instanz sprach den Angeklagten der mehrfachen Rassendiskriminierung nach Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 schuldig und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von vier Jahren. Das Obergericht bestätigte das Urteil des Bezirksgerichtes.

Der Angeklagte gelangte mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde ans Bundesgericht, mit dem Antrag, das Urteil des Obergerichtes sei aufzuheben und die Sache zu seiner Freisprechung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde wurde abgewiesen.


Entscheid 1999-009N

1. Instanz verurteilt den Angeklagten.

Rechtliche Erwägungen

Nach Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB macht sich strafbar, wer «[...] aus einer dieser Gründe Völkermord oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost oder zu rechtfertigen sucht.»

Zuerst stellt sich der 1. Instanz ein Auslegungsproblem: Ist für die Erfüllung dieser Tatbestandsvariante (Leugnung oder Verharmlosung eines Völkermordes) ein rassistisches Motiv auf der Seite des Täters erforderlich oder ist mit dem Passus «aus einem dieser Gründe» vom Gesetzgeber etwas anderes gemeint gewesen? Das Gericht führt dazu aus: «Zusammenfassend ist daher das Leugnen von Massenvergasungen von Juden in den Konzentrationslagern, da es sich um religiös/ethnisch motivierte Verbrechen handelte, strafbar - unabhängig davon, ob das Motiv des Täters in einer Diskriminierung im Zusammenhang mit Rasse, Religion oder Ethnie besteht. Selbst wenn diese Auffassung aufgrund des engen Wortlautes des Gesetzes verworfen würde, ist dennoch festzuhalten, dass das Leugnen dieser Greueltaten an den Juden immer zugleich implizit der betroffenen Gruppe der Juden unwahre Behauptungen, bzw. Lügen betreffend einen sehr einschneidenden Bereich ihrer Geschichte unterstellt und im Sinne vorstehender Erwägungen klar von Art. 261bis Abs. 4 [Hälfte 2 ] StGB erfasst ist. Die entsprechenden Äusserungen des Angeklagten sind daher grundsätzlich strafbar, auch wenn er ausführt, sie seien nicht gegen das Judentum gerichtet und aus Gründen der Wahrheitsliebe etc. erfolgt.» (E.II.A.5)

Auf der subjektiven Tatbestandsseite ist Vorsatz oder Eventualvorsatz verlangt. Der mutmassliche Täter muss sich somit bewusst sein, dass die von ihm geleugneten, verharmlosten oder gerechtfertigten Tatsachen stattgefunden haben. Die 1. Instanz meint dazu: «Auf Grund der gegenwärtigen Informationslage kann dem Angeklagten, auch in Anbetracht seiner geschichtlichen Ausbildung, das Wissen hinsichtlich der an dem jüdischen Volk durch die Nationalsozialisten begangenen Verbrechen angerechnet werden (vgl. Marcel A. Niggli, Rassendiskriminierung, Zürich 1996, N 1218). Er weiss, dass es sich um eine allgemein anerkannte Tatsache handelt. Indem er um die historisch anerkannte Auffassung weiss und trotzdem seine abweichende Meinung kundtun will, hat er zumindest in Kauf genommen, die Massenvergasungen und damit einen wichtigen Teil der Geschichte des jüdischen Volkes zu leugnen, dieses Volk der Geschichtslüge zu bezichtigen, die Juden auf diese Weise in ihrer Menschenwürde herabzusetzen. Damit ist der subjektive Tatbestand von Art. 261bis Abs. 4 StGB erfüllt.» (E.II.A.6.2)

Unabdingbare Voraussetzung zur Erfüllung des Straftatbestandes der Rassendiskriminierung ist u.a. die Verletzung einer geschützten Gruppe. Durch die Rassismusstrafnorm werden Menschen als Angehörige einer Rasse, Ethnie oder Religionsgemeinschaft geschützt. Auf den hier vorliegenden Fall gemünzt: «Diesbezüglich ist insbesondere zwischen ‹Judentum›, ‹Zionismus› und ‹Israel› zu differenzieren. Bei der Gruppe der Juden handelt es sich um eine religiöse Gruppe. Sie ist somit vom Schutzbereich des Art. 261bis StGB erfasst (Niggli, a.a.O., N 510).

Der Zionismus ist hingegen eine politische Bewegung, die anfangs dieses Jahrhunderts entstanden ist und die Juden um den Berg Zion angesiedelt wissen wollte. Zionismus als politische Bewegung ist nicht vom Schutzbereich des Art. 261bis StGB erfasst. Demgemäss sind Angriffe gegen die zionistische Bewegung nicht von Art. 261bis StGB erfasst. Anders verhält es sich nur, wenn der Begriff ‹Zionismus› als Synonym für Judentum verwendet wird (Niggli,, a.a.O., N 517 ff.). Ein Staat, als politisches Gebilde, untersteht ebenfalls nicht dem Schutzbereich des Art. 261bis StGB. Demzufolge sind Äusserungen, die sich gegen den Staat Israel richten, z.B. gegen dessen politisches Vorgehen nicht strafbar; es sei denn der Begriff ‹Israel› werde als Synonym für Judentum verwendet (Niggli, a.a.O., N 520 f.).» (E.II.A.3)

Bezüglich den Äusserungen, die den Zionismus oder die Politik Israels angreifen, ist das Gericht der Meinung, dass hier der Angeklagte offensichtlich politische Vorgehen und Machenschaften und nicht bestimmte Personen als Juden oder das jüdische Volk an sich angegriffen hat. (E.II.B.2.2.2) Die Äusserungen, in denen der Angeklagte die Massenvergasungen in den Konzentrationslagern bestreitet, stellen grundsätzlich ein Leugnen im Sinne von Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB dar.

Teilweise erfüllen auch die vom Angeklagten in Umlauf gebrachten Flugblätter und Unterlagen den Tatbestand nach Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB.

Entscheid

Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe von 4 Monaten bedingt wegen Begehung mehrfacher Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB. Die Probezeit wird auf 4 Jahren festgelegt.


Entscheid 1999-053N

2. Instanz bestätigt Urteil der ersten Instanz, Verurteilung. (Urteil fehlt)

Entscheid

2. Instanz bestätigt Urteil der ersten Instanz, Verurteilung. (Urteil fehlt)


Entscheid 2003-003N

Das schweizerische Bundesgericht (Kassationshof) weist die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde, soweit es darauf eintritt, ab.

Rechtliche Erwägungen

  • Gemäss der Botschaft des Bundesrates (BBl 1992 III 269 ff., 314) sollen durch Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB die «als wissenschaftlich getarnten Werke der so genannten Revisionisten» erfasst werden, so zum Beispiel die Behauptung, der Holocaust habe gar nicht stattgefunden oder die Juden würden aus dem Holocaust wirtschaftliche Vorteile ziehen. Holocaustleugnungen fallen also grundsätzlich in den Schutzbereich von Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB.
  • Laut Bundesgericht sei der systematische Massenmord an den Juden unter nationalsozialistischer Herrschaft eine bewiesene und allgemein anerkannte historische Tatsache, über welche kein Beweis geführt werden müsse. Ebenso gelten die hierfür errichteten Gaskammern und Vernichtungslager als historisch erwiesene Tatsachen. Es müsse daher nicht auf die revisionistische «Beweisführung» eingegangen werden, wie dies vom Beschwerdeführer in seiner eigens abgefassten Beschwerdeschrift verlangt wurde (dort: die Vergasung von Juden könne nur geleugnet werden, wenn sie feststehe. Darüber müsse Beweis geführt werden.)

  • Das Leugnen, gröbliche Verharmlosen etc von Völkermord oder anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei nur strafbar, wenn sie aus rassistischen bzw. antisemitischen Beweggründen erfolgen. In casu habe die Vorinstanz für den Kassationshof verbindlich festgestellt, dass die inkriminierten Äusserungen aus rassistischen bzw. antisemitischen Motiven erfolgt seien. Daher sei auf die subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen hier nicht näher einzugehen.
  • Die Leugnung von Völkermord ist nur strafbar wenn sie öffentlich erfolgt. Ob dies der Fall ist, hänge laut Bundesgericht von den gesamten Umständen des fraglichen Sachverhaltes ab. Dazu gehöre einerseits der Ort, an dem die Äusserung gemacht worden ist. Andererseits, wenn sie einem bestimmten und begrenzten Personenkreis gegenüber gemacht worden ist, die Zahl der Adressaten und die Beziehung zu diesen von Seiten des Urhebers der Äusserung her. Hier fügte das Bundesgericht an, dass eine Festlegung eines bestimmten Grenzwertes in Bezug auf die Anzahl der Adressaten sich nicht empfehle wegen Umgehungsgefahren der Strafbarkeit. Eine Äusserung sei auch dann öffentlich, wenn sie tatsächlich nur von zwei Personen wahrgenommen worden sei, falls sie am fraglichen Ort hätte von unbestimmt vielen Personen wahrgenommen werden können. Umgekehrt könne das Öffentlichkeitserfordernis fehlen, wenn die Äusserung in einem geschlossenen, gar vertrauten Kreis stattgefunden habe, auch wenn dieser beispielsweise zwanzig Personen umfasse. Der Beschwerdeführer habe die fraglichen Äusserungen an einer öffentlichen Berufungsverhandlung gemacht. Laut vorinstanzlichem Urteil befanden sich mehrere Medienschaffende im Gerichtssaal, welche ihrem beruflichen Auftrag folgend über das Verfahren berichtet haben. Die tatbestandsmässigen Äusserungen seien dadurch einer breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis gelangt, was überdies auch zahlreiche Reaktionen ausgelöst habe. Das Erfordernis der tatsächlichen Weiterverbreitung sei somit erfüllt und Öffentlichkeit in casu demnach zu bejahen. Es könne bei diesem Ergebnis offen bleiben, ob tatbestandsmässige Äusserungen in Anwesenheit von einzelnen Medienschaffenden, ungeachtet einer tatsächlichen Weiterverbreitung durch diese, schon deshalb öffentlich seien, weil die Berichterstattung zu den Aufgaben von Journalisten gehöre und das Risiko einer Weiterverbreitung daher besonders gross sei. Offen bleiben könne auch, ob Äusserungen an einer Gerichtsverhandlung schon per se im Sinne von Art. 261bis StGB als öffentlich gelten wenn die Verhandlung öffentlich ist, auch wenn weder Publikum noch Journalisten zugegen seien.
  • Auch die Äusserungen auf dem Flugblatt haben das Erfordernis der Öffentlichkeit erfüllt und seien gemäss Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB tatbestandsmässig gewesen. Der Beschwerdeführer hatte die Flugblätter an einer Universität beim Haupteingang sowie im Hauptgebäude verteilt aufgelegt. Damit konnten sie von einem grösseren, nicht durch persönliche Beziehungen zusammenhängenden Personenkreis wahrgenommen werden. Öffentlichkeit sei daher gegeben, unabhängig davon, wie viele Personen tatsächlich den Inhalt des Flugblattes zur Kenntnis genommen haben.

  • Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe die mündlichen tatbestandsmässigen Äusserungen an einer Berufungsverhandlung gemacht, was bedeute, er als Strafantragssteller und Privatkläger sei berechtigt und verpflichtet gewesen, seine Meinung darzulegen (Anmerkung: er hatte wegen Ehrverletzung gegen einen Journalisten geklagt, welcher ihn «Nazibewunderer» genannt hatte). Dadurch seien seine Aussagen gerechtfertigt.
  • Dazu führte das Bundesgericht aus, dass tatbestandsmässige Äusserungen in einem Gerichtsverfahren tatsächlich durch Art. 32 StGB gerechtfertigt sein können, sofern sie den gebotenen Sachbezug hätten und nicht über das Notwendige hinaus gingen, der Täter nicht wider besseres Wissen handle und blosse Vermutungen als solche bezeichne (siehe BGE 116 IV 211 E. 4a zu ehrverletzenden Äusserungen im Prozess). Diese Voraussetzungen seien aber vorliegend nicht erfüllt. Um darzulegen, dass er nicht wie vom Journalisten betitelt ein «Nazibewunderer» sei , sei es nicht notwendig gewesen, all seine Behauptungen betreffend dem Holocaust und den Einsatz von Gas im Ehrverletzungsprozess erneut vorzutragen. Vielmehr hätte er darlegen sollen, weshalb er trotz diesen Behauptungen nicht als «Nazibewunderer» bezeichnet werden dürfe. Unerheblich sei, dass er in seinen Ausführungen nicht vom Gerichtsvorsitzenden unterbrochen worden ist um ihn aufmerksam zu machen, dass Behauptungen, welche die Massenvernichtung der Juden durch Gas bestreiten, strafbar sein können. Auch wenn eine Intervention des Gerichtsvorsitzenden angezeigt gewesen sein mochte, konnte der Beschwerdeführer umgekehrt nicht den Schluss ziehen, seine Aussagen seien nicht strafbar.

  • Der Beschwerdeführer machte geltend, seine Verurteilung verstosse gegen die Meinungsäusserungsfreiheit, unter anderem durch Art. 10 EMRK und andere völkerrechtliche Verträge garantiert. Die Verurteilung wegen den Äusserungen in den Flugblättern verstosse zudem gegen die Wissenschafts- und Forschungsfreiheit.
  • Das Bundesgericht führte dazu aus, es könne dahingestellt bleiben, ob die Leugnung des Holocaust im Allgemeinen und der Massenvernichtung in Gaskammern im Speziellen überhaupt in den Schutzbereich der Meinungsäusserungsfreiheit oder der Freiheit von Wissenschaft und Forschung falle. Jedenfalls seien in Bezug auf derartige Äusserungen die Voraussetzungen erfüllt, unter welchen die Ausübung dieser Grundrechte durch Strafdrohung beschränkt werden könne. Die Leugnung und gröbliche Verharmlosung des Holocaust sei geeignet, unmittelbar den öffentlichen Frieden zu stören, und sie beeinträchtige mittelbar die Würde der Juden. Die in Art. 261bis Abs. 4 Hälfte 2 StGB vorgesehene Strafbarkeit sei daher im Sinne von Art. 10 Ziff. 2 EMRK in einer demokratischen Gesellschaft notwendig zum Schutze der öffentlichen Sicherheit, zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zum Schutze der Moral. Auch zum Schutz der öffentlichen Ordnung (ordre public) im Sinne von Art. 19 Abs. 3 lit. b UNO- Pakt II sei die Strafbarkeit erforderlich; daher verstosse eine Verurteilung nicht gegen die Meinungsäusserungsfreiheit dieser internationalen Übereinkommen. Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers verstosse eine Verurteilung auch nicht gegen das «Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung» (RDK). Die darin garantierten Bürgerrechte, wie etwa das Recht auf Meinungsfreiheit und deren freie Äusserung, gelten ohne Unterschied der Rasse, der Hautfarbe oder des nationalen Ursprungs für jede einzelne in einem Mitgliedstaat lebende Person. Unter welchen Voraussetzungen diese Bürgerrechte wie eingeschränkt werden können, ergebe sich aus den nationalen Verfassungen und den massgebenden Internationalen Übereinkommen. Überdies beschränke gerade die RDK die Meinungsäusserungsfreiheit, «indem das Übereinkommen die Vertragsstaaten unter anderem verpflichtet, jede Verbreitung von Ideen, die sich auf die Überlegenheit einer Rasse oder den Rassenhass gründen, zu einer nach dem Gesetz strafbaren Handlung zu erklären (siehe Art. 4 lit. a RDK).»

  • Die Verurteilung des Beschwerdeführers verstosse unter anderem aus den genannten Gründen nicht gegen die Freiheit der wissenschaftlichen Lehre und Forschung.Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sei abzuweisen, da die Nichtigkeitsbeschwerde von vornherein keine Aussicht auf Erfolg hatte.
  • Entscheid

    Die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. Die Gerichtsgebühr wird dem Beschwerdeführer auferlegt, wobei bei deren Bemessung auf seine schlechten finanziellen Verhältnisse Rücksicht zu nehmen ist.