Fall 2020-006N

«Man sieht, dass Sie aus dem Dschungel kommen»

Zürich

Verfahrensgeschichte
2020 2020-006N Die zuständige Strafverfolgungsbehörde stellt das Strafverfahren ein.
Juristische Suchbegriffe
Tathandlung / Objektiver Tatbestand Herabsetzung oder Diskriminierung (Abs. 4 Hälfte 1)
Schutzobjekt Rasse
Spezialfragen zum Tatbestand keine
Stichwörter
Tätergruppen Privatpersonen
Opfergruppen Schwarze / Dunkelhäutige
Tatmittel Wort
Gesellschaftliches Umfeld Öffentliche Orte
Ideologie Rassismus (Hautfarbe)

Kurzfassung

In einem vagen Kontext und mit unklarer Formulierung äusserte sich der Beklagte gegenüber der Beschwerdeführerin: «Man sieht, dass Sie aus dem Dschungel kommen». Eine subjektive Absicht zur Diskriminierung konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Das Strafverfahren wird eingestellt.

Sachverhalt

Der Beschuldigte hat die Geschädigte beleidigt, als diese draussen mit ihrer Kollegin bzw. auf einem Tisch gesessen sei, und zwar mit einer Aussage ähnlich «Man sieht, dass Sie aus dem Dschungel kommen». Die Geschädigte kann sich jedoch nicht an den genauen Wortlaut erinnern.
Der Beschuldigte hat gerechtfertigt, dass er an jenem Tag an einem Treffen teilgenommen habe und draussen an einem Tisch, auf welchem die Geschädigte mit beiden Schuhen gesessen sei, etwas habe trinken wollen. Aufgrund des Verhaltens der Geschädigten (Schuhe auf dem Tisch) habe er sie lediglich gefragt, ob sie aus dem Dschungel komme. Anschliessend sei er weggegangen, woraufhin sie und deren Kollegin ihm gefolgt seien. Hernach sei er stehengeblieben und habe zur Kollegin gesagt, dass es schlimm sei, dass es Menschen gäbe, welche die Sau rauslassen müssen. «Dschungel» sei das Synonym für das Fehlen von Anstand und Erziehung. Er wisse nicht, was «das» mit Rassismus und der Hautfarbe der Geschädigten zu tun haben solle.

Rechtliche Erwägungen

Die Frage nach dem genauen Wortlaut und dessen Tatbestandsmässigkeit könne für das vorliegende Verfahren offenbleiben, da dem Beschuldigten jedenfalls in subjektiver Hinsicht nicht nachgewiesen werden könne, dass er im Kontext des Geschehens aus rassendiskriminierenden Motiven (etwa wegen der Hautfarbe der Geschädigten) und/oder aus ehrverletzenden Beweggründen gehandelt bzw. sich ihr gegenüber entsprechend geäussert habe, mithin er die Geschädigte als minderwertig hätte blossstellen bzw. sie in ihrer Würde (ein ehrbarer Mensch zu sein) hätte herabsetzen wollen.

Entscheid

Die zuständige Strafverfolgungsbehörde stellt das Strafverfahren ein.