Antiziganismus

Antiziganismus (von frz. tsigane «Zigeuner») ist ein in Anlehnung zu Antisemitismus gebildeter Fachbegriff für «Zigeunerfeindlichkeit». Darunter wird die von Stereotypen, Abneigung und Feindschaft geprägte Einstellung und Verhaltensweise gegen als «Zigeuner» wahrgenommene Menschen und Gruppen verstanden. Zigeunerfeindlichkeit hat sich historisch als ökonomische, gesellschaftliche oder staatliche Diskriminierung, politische Verfolgung bis hin zu Vertreibung, Internierung, Zwangssterilisierung oder staatlich organisiertem Völkermord manifestiert.

Von den rund 30'000 Schweizer Jenischen pflegen etwa 3'000 bis 5'000 eine halbnomadische Lebensweise. Dazu kommt eine geringe Zahl von Schweizer Sinti (in der Romandie «Manouches» genannt), die ebenfalls eine halbnomadische Lebensweise pflegen. Die 40'000 bis 80'000 Roma, die in der Schweiz wohnhaft sind, wanderten vor allem aus Südost- und Osteuropa ein. Sie sind heute grösstenteils sesshaft.

Die Antiziganismusforschung unterscheidet eine religiös, sozial und rassisch motivierte Variante der Zigeunerfeindlichkeit. Als religiös motivierter Vorwurf gilt z.B. der Verdacht, dass sich die Zigeuner mit dem Teufel verbündet hätten, der ihnen die angeblichen magischen Fähigkeiten beigebracht habe. Sozial motiviert sind hingegen diejenigen Vorurteile, wonach Roma freiwillig ständig herumzögen und ihren Lebensunterhalt anstelle von ehrlicher Arbeit mit Stehlen verdienen würden. Der Rassenantiziganismus wiederum erklärt die zugeschriebenen Eigenschaften als erblich bestimmt.

In der Schweiz war es bis in die 1970er-Jahre erklärtes Ziel der Politik, durch Wegnahme der Kinder aus ihren Familien die fahrende Lebensweise zu beseitigen (Kinder der Landstrasse-Projekt der Stiftung Pro Juventute). Seither hat der Staat erste Ansätze zum Schutz der fahrenden Kultur entwickelt und Organisationen wie die Radgenossenschaft der Landstrasse unterstützt. Aber auch heute noch werden Jenische, Roma oder Sinti, egal ob sie Fahrende oder Sesshafte sind, mit einer Vielzahl von Anfeindungen und Vorurteilen konfrontiert.

Zum AnfangLetzte Aktualisierung: 02.01.2019