Cas 2020-029N

Blackfacing eines Mohrenkopf-Verkäufers

St-Gall

Historique de la procédure
2020 2020-029N Die zuständige Strafverfolgungsbehörde verurteilt den Angeklagten wegen Rassendiskriminierung.
Critères de recherche juridiques
Acte / Eléments constitutifs objectifs Abaissement ou discrimination (al. 4 1ère phrase)
Objet de protection Race
Questions spécifiques sur l'élément constitutif Elément constitutif subjectif de l’infraction
Mots-clés
Auteurs Particuliers
Victimes Noirs / personnes de couleur
Moyens utilisés Déclarations orales;
Gestes;
Autres moyens utilisés
Environnement social Lieux publics
Idéologie Racisme (couleur de peau)

Synthèse

Der Beschuldigte hat in der Öffentlichkeit vor einem kleinen mobilen Verkaufsstand «Mohrenköpfe» der Firma Dubler verkauft. Dazu hatte er sich mit goldenem Umhang und schwarzer Lockenperücke verkleidet sowie sein Gesicht schwarz angemalt.

En fait / faits

Im Zuge der Tötung des Afroamerikaners George Floyd vom 25. Mai 2020 ist die Rassismus-Debatte auch in der Schweiz wieder entfacht und in diesem Zusammenhang wurde intensiv diskutiert, ob der Süssigkeiten-Name «Mohrenkopf» rassistisch sei.

Der Beschuldigte verkaufte am Mittag während rund zwei Stunden auf dem der Öffentlichkeit und sämtlichen Passanten uneingeschränkt zugänglichen Grundstück der Firma X. mit einem kleinen mobilen Verkaufsstand «Mohrenköpfe» der Firma Dubler. Die Frontseite des Verkaufsstandes war beschriftet mit «Herzlich Willkommen Original Mohrenköpfe!». Der Beschuldigte stand mit goldenem Umhang und schwarzer Lockenperücke verkleidet sowie mit schwarz angemaltem Gesicht hinter dem Verkaufsstand und verkaufte den Passanten in dieser Zeit rund 350 «Mohrenköpfe».

Nachdem die «Mohrenköpfe» der Firma Dubler einige Tage zuvor bei den grossen Detailhändlern aus rassistischen Gründen aus dem Sortiment gestrichen wurden, wollte Markus Heim mit seinem Verkaufsstand und der Verkleidung, die die Verbindung von ''Mohr» und «Mohrenkopf» zeigen sollte, Aufmerksamkeit generieren und das Produkt der Firma Dubler promoten.

En droit / considérants

Mit der vorgenannten Verkleidung in Kombination mit dem bereits intensiv in der Rassismus-Debatte besprochenen Produkt habe der Beschuldigte damit rechnen müssen, beim Erscheinen in der Öffentlichkeit mit seiner derart gestalteten Verkleidung und dem Verkauf dieser Süssigkeiten dunkelhäutige Menschen zu diskriminieren und zu beleidigen. Er habe dies zumindest in Kauf genommen, als er am 18. Juni 2020 seinen Verkaufsstand eröffnete, an die Öffentlichkeit trat und dabei von einem breiten Publikum wahrgenommen werden konnte und auch tatsächlich wahrgenommen wurde.

Décision

Die zuständige Strafverfolgungsbehörde verurteilt den Angeklagten wegen Rassendiskriminierung. Der Beschuldigte wird mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 30.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, und einer Busse von CHF 200.00 bestraft.