Studien

Abstimmungskampf um das Verhüllungsverbot: Sichtbarkeit von Akteurinnen und Akteuren und ihrer Positionen in redaktionellen Medien und auf Twitter

Abstimmungskampf um das Verhüllungsverbot: Sichtbarkeit von Akteurinnen und Akteuren und ihrer Positionen in redaktionellen Medien und auf Twitter

Jahrbuch Qualität der Medien, Studie 4/2021

9.12.2021

Die EKR hat die Studie mitfinanziert, welche die Resonanz von Akteurinnen und Akteuren und ihrer Positionen in der öffentlichen Diskussion rund um die Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot», die im März 2021 von der Schweizer Stimmbevölkerung angenommen wurde, untersucht. Weil in der Debatte um die – häufig als «Burka-Initiative» bezeichnete – Volksabstimmung die Frage der Frauenrechte und die Rolle des Islams im Zentrum standen, interessiert besonders die Resonanz von muslimischen Akteurinnen und Akteuren und Frauen und ihren Positionen. Die Autorinnen und Autoren der Studie zeigen am Beispiel der Schweizer Medienberichterstattung und der Debatte auf Twitter, dass zwar verschiedene Akteurinnen und Akteuren ausverschiedenen gesellschaftlichen Bereichen Aufmerksamkeit erhielten, die Vielfalt in verschiedenen Bereichen jedoch teilweise eingeschränkt war. Muslimische Akteurinnen und Akteuren fanden weder in den Medien (11%) noch auf Twitter (13%) eine breite Resonanz. Frauen waren auf Twitter klar in der Minderheit (26%), in den Medien aber gleich stark präsent wie Männer (51%). Über die Verhüllung von Frauen im Islam sprachen auf Twitter also im Wesentlichen nicht-muslimische Männer und in den Medien nicht-muslimische Männer und Frauen.

Insgesamt zeigte sich in der Medienberichterstattung ein gemischteres Bild. Das Verhüllungsverbot wurde in den Medien in beiden Sprachregionen breit diskutiert, auf Twitter aber nur in der Deutschschweiz. In den Medien stiess die Initiative zudem nicht auf dieselbe starke Ablehnung wie auf Twitter. Diejenigen muslimischen Akteurinnen und Akteuren, die in den Medien zu Wort kamen, brachten in der Summe gegensätzlichere Positionen ein als auf Twitter. In der Dynamik der Debatte aber ähnelten sich die beiden Arenen, auch weil die Akteurinnen und Akteuren auf Twitter häufig auf die Medienberichterstattung Bezug nahmen und diese zur Stützung ihrer Position einbauten. Die Studie gibt damit Einblicke in die engen Beziehungen zwischen der Medienarena und der Twitter-Sphäre in einem Abstimmungskampf in einem zunehmend hybriden Mediensystem.

Die Studie wurde von Linards Udris, Sarah Marschlich, Daniel Vogler des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft fög der Universität Zürich erstellt.

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Jahrbuch Qualität der Medien, Studie 4/2021 (PDF, 437 kB, deutsch)