Jenische, Sinti/Manouches und Roma

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Jenische: Es gibt rund 100000 Jenische in Österreich, Deutschland und der Schweiz. In der Schweiz sind es zwischen 30000 und 35000, darunter 3000 bis 5000 fahrende. Jenische sind eine anerkannte kulturelle Minderheit, haben schon immer in der Schweiz gelebt, sind Schweizer Bürgerinnen und Bürger und mehrheitlich katholisch oder evangelisch. Das Jenische ist eine auf dem Deutschen gründende Sprache mit Lehnwörtern aus dem Romanés, dem Hebraïschen und dem Rotwelschen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts und bis in die 1970er-Jahre haben die Behörden, teilweise auch gewaltsam, versucht, die Fahrenden sesshaft zu machen. Die bekannteste Aktion in diesem Zusammenhang war jene des Hilfswerks „Kinder der Landstrasse" der "Pro Juventute". Dabei wurden zwischen 1926 und 1973 über 600 jenische Kinder von ihren Eltern getrennt und in Pflegefamilien, Heimen oder Institutionen platziert, um sie zu zwingen, sich den gesellschaftlichen Normen der Zeit anzupassen. Auch andere soziale Institutionen wie das "Seraphische Liebeswerk" haben sich an solchen Aktionen zur „Umerziehung" beteiligt.
 
Rom, Plural Roma (Rrom, Plural Rroma) : Roma ist ein von der "International Roma Union" gewählter Begriff zur Bezeichnung zahlreicher Bevölkerungsgruppen mit einer gemeinsamen indischen Herkunft und Sprache. Gruppen von Roma sind im 10. Jahrhundert von Nordwest-Indien nach Europa gezogen. Man schätzt die Zahl der Roma in Europa auf zwischen 8 und 10 Millionen; sie bilden damit die grösste Minderheit in Europa. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sind die meisten Roma sesshaft. Seit dem 15. Jahrhundert in Zentraleuropa niedergelassene Gruppen werden Sinti (Österreich, Deutschland) oder Manouches (Frankreich) genannt. Im Süden Frankreichs und auf der iberischen Halbinsel nennt man sie Gitans/Kalés. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Roma deportiert und systematisch ermordet. Forschende gehen von mindestens 500000 Opfern aus.
 
Der Europarat und andere internationale Gremien, aber auch die Medien, verwenden den Begriff Roma in einem sehr weiten Sinn, denn sie schliessen alle Gruppen ohne festes Territorium mit ein, so die Jenischen, die Ägypter oder die Ashkali auf dem Balkan und die Dom und Lom (Türkei, Ägypten, Iran usw.) sowie die irischen Traveller.
 
Sinto, Plural Sinti: Sind vor allem in Deutschland und Österreich angesiedelt. Die wenigen in der Schweiz lebenden Sinti sind mit den Jenischen vermischt und heissen in der Deutschschweiz auch "Manische".
 
Manouches: Name der Sinti. Sie leben vor allem in Frankreich. In der Schweiz gibt es einige grosse Schweizer "Manouche-Familien". Die Manouches verstehen sich nicht als Roma, wie viele andere Gruppen übrigens auch nicht.
 
Gitans/Kalés: Sie sind mehrheitlich sesshaft und leben hauptsächlich auf der iberischen Halbinsel und in Südfrankreich, wo sie die lokalen Sprachen sprechen, aber auch aber Begriffe aus dem Romanés integriert haben.
 
Gens du voyage/Fahrende: Dem Ausdruck "gens du voyage" liegt ein Begriff des französischen Rechts zugrunde, der Personen bezeichnet, die sich in Frankreich ohne festen Wohnsitz aufhalten. Damit soll eine Ethnisierung vermieden werden. In der Schweiz hat der Ausdruck "gens du voyage", bzw. "Fahrende" einen anderen Sinn und bezieht sich auf die fahrende Lebensweise. In einer weiteren Sicht bezeichnet er die Schweizer Fahrenden (Jenische und Manouches/Sinti) und auch die ausländischen Roma.
 
Romanés (Romani oder Rromani): Traditionelle Sprache der ursprünglich aus dem Nordwesten Indiens stammenden Roma. Romanés ist eine indoarische Sprache aus der gleichen Gruppe wie das Hindi oder Sanskrit. Im Zuge der Wanderungen hat sich die Sprache zuerst mit persischen, dann mit griechischen und armenischen Entlehnungen, dann mit Elementen der germanischen, slawischen, baltischen und rumänischen Sprachen bereichert. Am meisten Romanés sprechende Menschen findet man heute in Rumänien. Nicht alle Roma sprechen Romanés.

Zum AnfangLetzte Aktualisierung: 16.09.2014